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Tag der Freiberufler

Am 24. und 25. November 2007 im Maritim Hotel Königswinter

Die relativ kleine Gruppe der Anwesenden (57 Kolleginnen und Kollegen) haben sich intensiv an dem vielseitigen Programm der beiden Tage beteiligt. Besonderen Anklang fanden die Ausführungen von Prof. Steffens, von Kollege Sieber und natürlich von Kollege Forster, der wieder mit kaum erklärbaren Zauberkunststücken das Publikum beeindruckte.

Vortrag von Prof. Steffens: Marketing für Freie Berufe

Prof. Steffens, Berlin:
Sehr differenzierte und dennoch unterhaltsame Vorlesung über Marketing für Freie Berufe.

Marketing für Freie Berufe

Als kundenorientierter Anbieter einer Dienstleistung vom Typus „Vortrag“ ist mir die größtmögliche Übereinstimmung meiner Rede mit den Bedürfnissen und Wünschen meiner Zuhörer selbstverständlich oberstes Gebot. Da ich aber versäumt habe, eine Kundenbefragung durchzuführen, und mir infolgedessen Ihre Erwartungen völlig unbekannt sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Plan B des Marketing zu übernehmen, alles auf die Karte der Kreativität zu setzen und auf das „glückliche Geheimnis der Intuition“ zu vertrauen, „dass man ins Schwarze trifft, wenn man ins Blaue redet“ (Musil, R., 1978, S.883). Also, was immer Sie von einem Vortrag zum Thema „Marketing und Freie Berufe“ erwarten, es wird nicht das sein, was Sie von mir hören werden. -
In Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit werde ich meinen Vortrag in 4 Gängen servieren. Zum Aperitif kredenze ich einen extratrockenen Definitions-Cocktail. Als Vorspeise folgt die Lesung einer Kurzgeschichte mit dem Titel „Wissens-Marketing“. Das Hauptgericht lasse ich mit einer Komposition aus analytischen Anmerkungen und Aphorismen über „Vertrauen“ zu einem Soufflé auflaufen. Ob der Schluß „Dessert“ oder „Käse“ genannt zu werden verdient, überlasse ich Ihrem geschätzten Urteil.


Nach diesem Überblick über die grobe Gliederung beginne ich mit dem Definitions-Cocktail, denn selbstverständlich kann man über das  „Marketing für Freie Berufe“ nicht reden, wenn man „Marketing“ nicht definiert hat.  Es gibt – wie in allen Wisssenschaften - auch hier eine verwirrende Vielzahl von Definitionen. Mir ist die der American Marketing Association von 1985 am plausibelsten. „Marketing umfaßt die Planung und Realisierung der Produktgestaltung, der Preispolitik, der Kommunikation und des Vetriebs von Ideen, Gütern und Dienstleistungen, die der Befriedigung von Bedürfnissen bzw. dem Bedarf von Einzelpersonen und Organisationen dienen“(Silberer, G., 1993, S.20).
Das war der Cocktail. Und da man nie genau weiß und im Grunde auch gar nicht wissen will, was drin war und was draus wird, gehe auch ich jetzt nichts ins Detail, sondern gleich zur Vorspeise über. Sie besteht aus der Lesung einer Geschichte, genaugenommen einer Fallgeschichte, in der ein paar Schlüsselbegriffe des Definitions-Cocktails in einen erzählerischen Zusammenhang gebracht werden. Soviel sei vorab verraten: Eine freiberufliche Anbieterin bietet ein hochkomplexes Produkt, nämlich Wissen und Weisheit, im Direktvertrieb an. Die potenziellen Abnehmer verspüren nicht das leiseste Bedürfnis geschweige denn einen Bedarf nach diesem Angebot. Sie greift zu ausgefallenen und riskanten Methoden der Überzeugungsarbeit. Gar nicht so ungewöhnlich für diejenigen, die mit dem Bohren dicker Bretter ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

Die Geschichte (Adams, D., 1992, S.257 ff.) spielt in einer uralten Stadt, wann – das spielt keine Rolle. Es ist auch unwichtig, wo sie war oder wie sie hieß -, es war eine blühende, gedeihende Stadt, die inmitten einer großen Ebene lag. Eines Sommers, als die Stadtmenschen eifrig mit dem Weiterblühen und –gedeihen beschäftigt waren, tauchte eine seltsame alte Bettlerin vor den Toren auf, die zwölf Bücher bei sich trug und den Stadtmenschen zum Verkauf anbot. Sie sagte, die Bücher enthielten alles Wissen und alle Weisheit der Welt und dass sie sie der Stadt für einen Sack voll Gold überlassen wolle.
Das hielten die Stadtmenschen für ein ziemlich ulkiges Angebot. Sie antworteten ihr, sie habe offensichtlich überhaupt keinen Begriff vom Wert des Goldes und solle im Interesse aller am besten wieder verschwinden. Das wolle sie gern tun, sagte sie, aber zuerst werde sie die Hälfte der Bücher vor den Augen der Stadtmenschen vernichten. Sie errichtete einen kleinen Scheiterhaufen, verbrannte sechs der Bücher, die alles Wissen und alle Weisheit der Welt enthielten, vor aller Augen und ging dann ihrer Wege. Der Winter, ein strenger Winter, kam und ging, aber die Stadt schaffte es hindurchzuflorieren, und im nächsten Sommer kehrte die alte Frau zurück.
„Oh, du schon wieder“, sagten die Stadtmenschen. „Wie geht’s denn so voran mit Wissen und Weisheit?“
„Sechs Bücher“, sagte sie, „es sind nur noch sechs übrig. Die Hälfte allen Wissens und aller Weisheit dieser Welt. Ich biete sie euch noch einmal zum Verkauf an.“
„Ach ja?“ giggelten die Stadtmenschen.
„Nur hat sich der Preis geändert.“
„Wundert uns nicht.“
„Zwei Säcke voll Gold.“
„Wie?“
„Zwei Säcke voll Gold für die sechs verbliebenen Bücher des Wissens und der Weisheit. Schlagt ein oder laßt es bleiben.“
„Uns will scheinen“, sagten die Stadtmenschen, „dass es mit deiner eigenen Weisheit und deinem Wissen nicht weit her sein kann, da du sonst begreifen müsstest, dass man auf einem von Angebot und Nachfrage regulierten Markt nicht einfach rumgehen und einen ohnehin schon unerhörten Preis noch vervierfachen kann. Sollte das die Art Wissen und Weisheit sein, mit der du hausieren gehst, kannst du sie, offen gesagt, behalten – und zwar zu jedem Preis.“
„Wollt ihr sie haben oder nicht?“
„Nein.“
„Na schön. Ich werde euch um ein wenig Feuerholz bemühen müssen.“
Sie errichtete einen weiteren Scheiterhaufen, verbrannte drei der verbliebenen Bücher und machte sich erneut über die Ebene davon.
In jener Nacht stahlen sich ein paar neugierige Stadtmenschen nach draußen und stocherten in der Asche, um zu sehen, ob die eine oder andere Seite zu retten sei, aber das Feuer hatte alles gründlich verbrannt, und die alte Frau hatte die Glut geschürt. Es war nichts mehr da.
Ein weiterer harter Winter forderte seinen Tribut von der Stadt und bescherte ihr kleinere Probleme mit Hungersnöten und Krankeiten, aber die Geschäfte gingen gut, und so waren alle wieder in leidlich guter Verfassung, als der folgende Sommer kam  und die alte Frau erneut auftauchte.
„Bist früh dran dieses Jahr“, sagten sie.
„Hab nicht mehr viel zu tragen“, stellte sie fest und zeigte ihnen die drei Bücher, die sie noch bei sich hatte. „Ein Viertel allen Wissens und aller Weisheit dieser Welt. Wollt ihr es haben?“
„Wie ist der Preis?“
„Vier Säcke voll Gold.“
„Du bist völlig verrückt, alte Frau. Von allem anderen mal abgesehen, stecken wir, wirtschaftlich gesehen, gerade ein bisschen in der Klemme. Säcke voll Gold kommen überhaupt nicht in Frage.“
„Feuerholz, bitte.“
„Jetzt warte doch mal“, sagten die Stadtmenschen. „Davon hat doch niemand was. Wir haben uns die Sache durch den Kopf gehen lassen und einen kleinen Ausschuss gebildet, der sich deine Bücher einmal ansehen soll. Lass sie uns ein paar Monate zur Beurteilung hier, lass uns sehen, ob sie irgendeinen Wert für uns haben, dann können wir dir nächstes Jahr, wenn du wiederkommst, vielleicht ein vernünftiges Angebot machen. Über Säcke voll Gold allerdings lassen wir nicht mit uns reden.“
Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte sie.
„Bringt mir Feuerholz.“
„Das wird dich was kosten.“
„Dann eben nicht“, sagte die Frau und zuckte die Achseln. „Die Bücher werden auch so brennen.“
Und mit diesen Worten machte sie sich daran, zwei der Bücher in Stücke zu reißen, die schnell in Flammen aufgingen. Rasch verschwand sie über die Ebene und überließ die Stadtmenschen ein weiteres Jahr ihrem Schicksal.
              
Die Fortsetzung und den Schluss der Geschichte hebe ich mir für später auf.

Als Volkswirt würde ich der Aussage der Stadtmenschen bzw. der Zielgruppe unbedingt zustimmen, dass man/frau auf einem von Angebot und Nachfrage regulierten Markt ein Produkt nicht zu exorbitanten Preisen vermarkten kann, wenn es für dieses Produkt oder die Dienstleistung überhaupt keinen Bedarf gibt. Es ist in Wirklichkeit zwar gar nicht unüblich, den Bedarf bzw. die Bedürfnisse durch raffiniertes Marketing zu formen oder sogar zu wecken.  Dazu gehören aber subtilere Methoden als die Protagonistin unserer Geschichte benutzt. Sie hätte beispielsweise erst einmal alles daransetzen müssen, um sich auf dem Markt für Wissensgüter als kompetente, vertrauenswürdige und wettbewerbsfähige Anbieterin zu positionieren. Tatsächlich macht sie aber in ihrer Kommunikationspolitik alles falsch, was die Marketinglehre und der common sense für richtig halten. Wen wundert es, dass sie dafür auf der ganzen Linie abgestraft wird. Meine Damen und Herren, ich bin sicher, Ihrer beruflichen Erfahrung und Kompetenz dürfte es leicht fallen, sämtliche Schwachstellen zu identifizieren. Und dennoch, gibt es denn überhaupt keine Stärken oder wenigstens ermutigende Anzeichen für Fortschritte? Ich denke, wir sind uns alle einig, dass die Verkaufsaktion ein Desaster ist. Kein Umsatz, kein Buch verkauft, elf Bücher verbrannt, keinen Cent verdient. Eine starrköpfige, unbelehrbare, kompromißlose alte Frau - oder?
Im Marketing gibt es so etwas wie eine Formel für den Erfolg von Marketingmaßnahmen. Sie sagt: der Marketingerfolg ist das Produkt aus Selbstbehauptung als Indikator für Fachkompetenz und Berufserfahrung auf der einen und Fremdwahrnehmung als Indikator für Reputation auf der anderen Seite. Die Reputation unserer Protagonistin ist gleich Null, jedenfalls zunächst, zwangsläufig ist deshalb auch der Markterfolg gleich Null. Schwache Anzeichen am Ende des Fragments deuten einen leichten Anstieg des Interesses an den Büchern und damit vielleicht einen Sinneswandel bei der Fremdwahrnehmung an. Unterziehen wir uns der kleinen Mühe, ihr Verhalten genauer zu betrachten, dann werden drei Komponenten ihrer Verkaufsstrategie erkennbar:

  1. Sie preist ihre Produkte, die Bücher, nicht bloß als Ware an. Vielmehr erzeugt sie mit ihrem Werbeslogan „alles Wissen und alle Weisheit der Welt“ einen sogenannten „unique selling point“ (USP) bzw. einen universellen Bedeutungshorizont, der den potenziellen Abnehmern, wenn sie denn dafür empfänglich sind, die Lösung aller denkbaren Probleme suggeriert, aber – beachten Sie die Einschränkung – nicht garantiert.
  2. Der Fremdwahrnehmung erscheint sie als wenig seriöse, wenig vertrauenserweckende, beratungsresistente Marktschreierin. Sie selbst ignoriert Hohn und Spott, präsentiert sich unerschütterlich als Heilsbringerin, die eine einzigartige und besondere Dienstleistung im allgemeinen öffentlichen Interesse offeriert.
    Auch wenn sie noch kein Vertrauen genießt, wächst durch ihre regelmäßige Wiederkehr die Vertrautheit – eine wichtige Voraussetzung für Vertrauensbildung.
  3. Ihre Selbstgewißheit, ihre Sturheit und die Bücherverbrennungen erscheinen auf den ersten Blick als töricht und alles andere als verkaufsfördernd. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht würde man sie als Vertreterin der Lehrmeinung „Das Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst“ sehen und ihr Verhalten einfach monopoltheoretisch zu erklären versuchen. Sie verhält sich in der Tat wie ein Monopolist, der die Angebotsmenge verknappt, die Preise in die Höhe treibt und geduldig auf den Augenblick wartet, an dem sich – wie weiland bei Krösus – alles in Gold verwandelt - vielleicht.
    Dann allerdings wäre ihre Marketingstrategie nicht töricht, sondern höchst raffiniert, und der Erfolg wäre nur lediglich Frage des Abwartenkönnens.

Exkurs über das Vertrauen.
Vertrauen gilt in der Wirtschafts- und Wissensgesellschaft als wichtige, knappe und hochempfindliche Ressource für das reibungslose Funktionieren von Märkten. Das gilt für sämtliche Anbieter von Gütern und Dienstleistungen. Bei den Freien Berufen kommt noch eine ganz zentrale Funktion dazu. Der Bundesverband der Freien Berufe hat diese Funktion sehr treffend beschrieben: „Das absolute Vertrauen, die Möglichkeit, sich rückhaltlos zu offenbaren, sind Grundlage für die Freien Berufe, ihren Mandanten und Klienten Rat zu erteilen und zugleich ihrer Eigenschaft als Organe im staatlichen Handeln gerecht werden zu können“(BFB, 2000, S.2). Die Kunden suchen bei den Freien Berufen auch eine Qualität persönlicher Beziehungen, die nicht käuflich ist.
Umgekehrt droht bei Mißtrauen Marktversagen mit verheerenden Folgen für die Anbieter. Der Verbraucher soll vertrauen in die Qualität und Preiswürdigkeit von Lebensmitteln, Finanz- und Versicherungsprodukten, Medizin, Rechtssystem, in die Lauterkeit des Wettbewerbs, in die Nachhaltigkeit des Klimaschutzes, in die Glaubwürdigkeit von Gütesiegeln und Kennzeichen – um nur einige wenige Beispiele willkürlich herauszugreifen. Zum Leidwesen des Verbraucherschutzes sollen die Verbraucher nicht nur vertrauen, sondern tun es nur allzu sorglos. Als „confident consumer“ (Reisch, L., 2007) wird ein durchschnittlich informierter, aufmerksamer und verständiger Durchschnittsverbraucher verstanden. Der vertrauensselige Verbraucher vertraut einigermaßen glaubwürdigen Marketing-Signalen, die wie Titel, Diplome, Zertifikate, Zugehörigkeit zu einer Berufsvereinigung und damit Bindung an berufs- und standesrechtliche Normen, Garantien und Haftungsregeln eine gewisse Reputation begründen. Der confident consumer bleibt- wenn eben möglich – bei habitualisierten und bewährten Konsumgewohnheiten, folgt den Tipps von Freunden und Angehörigen. Denn, im Grunde müssen die guten Erfahrungen, die die gute Reputation eines Dienstleisters begründen, nicht von dem jeweiligen Kunden selbst gemacht worden sein
Vertrauen ist je nach Standpunkt eine Form der Sicherheit, eine riskante Vorleistung ohne Erfolgsgarantie, eine Informationsentlastung oder einfach ein Asyl des Unwissens.-
Ich werde das alles nicht vertiefen, sondern mich aus pragmatischen Gründen auf den Sozialwisenschaftler Niklas Luhmann beziehen. Er sagte „Vertrauen ist keine Folgerung aus der Vergangenheit, sondern es überzieht die Informationen, die es aus der Vergangenheit besitzt und riskiert eine Bestimmung der Zukunft“ (Luhmann, N., 1968, S.18). Mit meinen Worten: Vertrauen ist so etwas wie der Spezialfall eines Überziehungskredits auf das eigene Wissenskonto. Der Funktion und dem Stil des Vertrauens würde es widersprechen, vom vertrauenswürdigen Dienstleister detaillierte Fakteninformationen und fachliche Beweise zu fordern. Andererseits sollte die Möglichkeit einer solchen Erläuterung zumindest andeutungsweise anklingen (ebenda, S.28). Im „Signaling“(Adler, J., 1996, S.45 et passim; Roth, S., 2001, S.372 ff.) läßt der oder die DienstleisterIn Vertrauenswürdigkeit als kompetente(r), integere(r), faire(r) und verantwortungsvolle(r) PartnerIn „anklingen“. Reputation (Adler, J., a.a.O., S.31) und Vertrauen sind im Marketing einiger Dienstleistungen außerordentlich schwer aufzubauen, weil die unterstützende Wirkung von Wahrnehmung und Erfahrung wegen der seltenen Nachfrage nach diesen besonderen Dienstleistungen fehlt. In Anbetracht einer solchen „asymmetrischen Informationsverteilung“(ebenda) kommt es in erster Linie darauf an, zuerst für Transparenz zu sorgen.

Konkret heißt das:
a) Aussendung von Signalen einer hohen Fachkompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Verantwortung, um die eigene besondere Dienstleistung wirkungsvoll von denen opportunistischer Konkurrenten abzuheben;
b) Entwicklung der Marketing-Strategie auf der Grundlage einer berufs- und standesrechtlich normierten Corporate Identity;
c) Unterstützung des Signaling der Freiberufler durch kollektive, öffentliche Kommunikations- und Informationspolitik der Verbände, Kammern etc. (vgl. Adler, J., a.a.O., S.211).

Nach diesem Exkurs über den Begriff „Vertrauen“ nehme ich die vorhin unterbrochene Geschichte vom „Wissens - Marketing“ wieder auf. Ich lese weiter (Adams, D., 1992, S.260):

Im späten Frühjahr war sie zurück.
„Nur noch dieses eine Buch ist übrig“, sagte sie und legte es vor sich auf den Boden. „Und diesmal habe ich mir mein eigenes Feuerholz mitgebracht.“
„Wieviel?“ fragten die Stadtmenschen.
„Sechzehn Säcke voll Gold.“
„Wir hatten nur acht eingeplant.“
„Wie ihr wollt.“
„Warte hier!“
Die Stadtmenschen berieten sich und kehrten eine halbe Stunde später zurück.
„Sechzehn Säcke ist alles, was wir noch haben“, flehten sie. „Die Zeiten sind hart. Du mußt uns irgendetwas lassen.“
Die alte Frau summte bloß vor sich hin und begann, das Brennmaterial aufzuhäufen.
„Na gut!“ riefen sie schließlich, öffneten die Tore der Stadt und führten zwei Ochsenkarren hinaus, beide mit acht Säcken voll Gold beladen.
„Aber dann hat es gefälligst auch gut zu sein.“
„Danke“, sagte die alte Frau. „Das ist es. Und ihr hättet den Rest sehen sollen.“
Sie führte die beiden Ochsenkarren über die Ebene mit sich und überließ es den Stadtmenschen, so gut wie möglich mit dem einen verbliebenen Zwölftel allen Wissens und aller Weisheit, die es auf der Welt gegeben hatte, zu überleben.

 Ganz im Gegensatz zum ersten Teil der Geschichte müssen wir am Ende unsere Protagonistin als erfolgreiches Marketing-Genie feiern. Die Fremdwahrnehmung hat sich unter dem Druck exogener Faktoren, das heißt Verschlechterung der sozio-ökonomischen Lage durch eine konjunkturelle Depression, so stark verändert, dass die Verwendung des gesamten Volksvermögens für den Erwerb des letzten noch vorhandenen Exemplars einen höheren gesamtwirtschaftlichen Nutzen verspricht als die bisherige Indifferenz gegenüber „allem Wissen und aller Weisheit der Welt“. Am Ende haben offensichtlich alle Beteiligten von der Transaktion profitiert und einen zufriedenstellenden Ausgleich ihrer Interessen herbeigeführt.

Schlussbemerkungen
1. Eigentlich trägt die Geschichte die Überschrift „Vom Stochern in der Asche“ und nicht den von mir erfundenen Titel „Wissens-Marketing“. Sie stammt auch nicht aus der Marketing-Literatur, sondern aus dem Buch „Die Letzten ihrer Art“ von Douglas Adams. Darin beschreibt er an Beispielen aus dem Umwelt- und Naturschutz, wie dramatisch die Kosten der Erhaltung nahezu ausgerotteter Tierarten auf der Welt ansteigen, wenn die Menschheit nicht aufhört, mit den natürlichen Ressourcen Raubbau zu treiben.
2. In ihrem Kern ist die Geschichte uralt und unter dem Titel „Sibyllinische Bücher“ bereits aus dem Altertum bekannt (vgl. Roscher, W.H., 1909-1915, S.799 ff.; Gellius, A., 1968, S.70). Sibylle von Cumae, eine „freiberufliche“ Seherin, wanderte unter der Regentschaft von Tarquinius Superbus von Griechenland nach Rom. Sie bot dem König neun Bücher mit göttlichen Weissagungen zu einem horrenden Preis an. In Reaktion auf die Ablehnung ihres Angebots verbrannte Sibylle im Beisein des Königs 6 Bücher.
Beeindruckt von der Kraft und Ruhe der Sibylle kaufte Tarquinius Superbus danach die restlichen drei Bücher zu dem vollen Preis, den sie für alle neun gefordert hatte. Die drei Bücher wurden im Jupitertempel deponiert. Zu dem Raum hatte nur eine Gruppe von „fünfzehn Männern“ („quindecimviri“) Zutritt, wenn das Wohl des Staates die Befragung der Bücher erheischte.
Zum Schluss noch eine Schutzklausel aus dem „Kleingedruckten“:
Unbeschadet aller Anregungen, die Ihnen mein Vortrag gegeben hat, rate ich ausdrücklich davon ab, die Verkaufsstrategie der Sibylle von Cumae ohne weiteres als Erfolgsrezept für das Marketing der Freien Berufe auszuprobieren. […]

Vortrag von Herrn Sieber: Organisation – ein verlorener Begriff

Herr Sieber, München:
Mit viel Witz und Ironie vorgetragene Abhandlung über das Thema Organisation.

 „ORGANISATION“ – Ein verlorener Begriff

ORGANISATION ist im psychologischen Sprachschatz zu einer bloßen Worthülse geworden. In Lehre und Praxis wird Organisation heute als frei definierbares, meist aber auch nur undefiniertes Mehrzweckwort benutzt.

Unter Organisation werden die unterschiedlichsten Themen angeboten: eine Powerpoint-Präsentation über Hugo Münsterberg, eine Betriebsberatung, die Personalauswahl, eine Kündigungskampagne oder auch ein Rationalisierungsvorhaben. Alles passt und alles geht unter Organisation, einem längst sinnentleerten umbrella-word.

Speziell in der Psychologie wurde schon in den späten 1960er Jahren das immer ein wenig nach Schweiß riechende Wort Betrieb durch das vermeintlich edlere Organisation ersetzt. Wirtschaftswissenschaftler dagegen halten sich bedeckt: „Organisation als das Ergebnis von Organisation“.

Nun gehört es aber zu den Maximen wissenschaftlichen Arbeitens, man solle jeder Sache einen möglichst treffenden, jedenfalls aber zuverlässig exklusiven Namen geben, um Verwechslungen und Verwaschungen auszuschließen. Die Begriffsqualität ,Trennschärfe’ gilt zu Recht als unverzichtbares Merkmal effizienter Didaktik, denn trenn-scharfe Begriffe sind die Voraussetzung für jede Art systematischer intelligenter Zusammenarbeit.

Demnach sind Wort und Begriff Organisation heute im Mustopf der Umgangssprache zu entsorgen. Zweifelsfrei ist es an der Zeit, einen Nachruf auf diesen ehemals präzisen und wirklich glorreichen Begriff zu formulieren.

Organisation entstand als Kunstwort in der Zeit der Renaissance. Seine Abstammung sozusagen väterlicherseits ist griechisch. Die beiden ersten Silben sind dem griechischen organon, Werkzeug, entnommen. Mit organon bezeichnete man ursprünglich Hammer und Sichel, Säge und Stemmeisen, Pflug und Hacke. Schon in der Antike gab es metaphorische Verwandtschaften, als berühmte Ärzte darauf verfielen, Herz und Leber, Galle und Niere, aber dann auch Hand und Fuß, Nase und Ohr als organon, Werkzeug, anzusprechen. Noch heute redet man daher in der Medizin von inneren und äußeren Organen, derer sich das zentrale Nervensystem bedient.

Die Herkunft der Organisation ist mütterlicherseits, in den Endsilben -sation, eindeutig toskanisch-italienisch. Geburtstag und -ort des Wortes sind zwar u. W. bis heute unbekannt. Bekannt ist aber, dass Niccolo Machiavelli 1519/20 in seiner vorletzten und nach eigenem Urteil wichtigsten Abhandlung „Über die Kunst des Krieges" das Mischwort Organisation benutzt und erläutert. Er verwendet es für Fragen der Aufstellung und Gliederung der Soldaten. Bis dahin hatte man hier von strumentazzione gesprochen, womit aber auch Ausrüstung und Bewaffnung gemeint sein konnten. Dies entsprach dem klaren Wortverständnis von strumento, Werkzeug, da alles Militärische schlechthin als Werkzeug des Fürsten und Feldherren gesehen wurde.

Strumentazzione konnte also sowohl Bewaffnung bedeuten wie auch Marsch- oder Kampfordnung – ein weit streuendes, unscharfes und damit eben auch unpraktisches Wort also. Im einem Briefwechsel zwischen Machiavelli und seinem Freund Fabrizio Colonna war es darüber irgendwann zu Missverständnissen gekommen. Sie einigten sich schließlich darauf, künftig nur noch das Beschaffen von Kriegsmaterial als strumentazzione zu bezeichnen. Das Bereitstellen und Aufstellen der Soldaten dagegen sollte jedenfalls organisazzione heißen.

Beiden war vollkommen klar, dass strumento und organon tatsächlich das Gleiche bedeuten, nämlich Werkzeug. Ganz bewusst sollte jetzt aber das Gestalten des Feldherrenwerkzeugs Mensch, nämlich das Zusammenstellen der Männer zu Kampfeinheiten, griechisch intoniert und damit einen eigenen und unverwechselbaren Namen bekommen. Ob man sich etwa zum Angriff besser in Pfeilform, im Karree, in Linie oder im Halbkreis formiert, ob einer oder besser zwei Anführer die Formation kommandieren sollten, wie viele Männer einem Anführer zuzuweisen seien, wie man Reiter und Fußsoldaten kombinieren könnte, inwieweit Angriffsformationen auch in der Verteidigung von Nutzen sind – das alles wurde jetzt unter dem Stichwort Organisation erörtert. Und weil sich in jenen Zeiten jeder Fürst und sogar der Papst als Feldherr bewähren musste und weil auch jedem der Komfort des Neu-Wortes einleuchtete, wurde Organisation von Vielen gern übernommen.

Militärische Fachwörter werden bekanntlich seit jeher gern auch im vor- und nachmilitärischen Raum verwendet. Deswegen findet man das Wort Organisation schon im ausgehenden 16. Jahrhundert in Handel und Handwerk, im Bergbau wie in der Schifffahrt, in Klöstern und an Höfen. Man sagte Organisation, wo immer die Aufgabe anstand, Personen zu einer Leistungseinheit gleich welcher Leistungsart zusammenzustellen.

Irgendwann schließlich, wahrscheinlich schon im 19. Jahrhundert, machte das Wort Organisation als Metapher für jede Art von Ordnung oder Zusammenstellung eine Karriere, wie sie etwa in unseren Tagen das Wort System erlebte. Dabei wurde wohl die Wortbedeutung „Werkzeugmachen“ noch bis ins 20. Jahrhundert mitgedacht – jedenfalls solange die gebildete Schicht an den Schulen noch Griechischunterricht erhielt. Dieses Wortverständnis verliert sich dann aber zunehmend in der Anglisierung der diplomatischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Sprache praktisch aller westlichen Länder. Als es speziell im Jargon der US-Sozialwissenschaften zum Standard wurde, Begriffe ins Beliebige zu stellen und auch bereits besetzte Begriffe einfach durch Zusatzsilben zu aktualisieren oder auch schlicht umzudefinieren, verschwand schließlich auch die Wortbedeutung Werkzeugmachen aus dem Bewusstsein.

Als die Psychologie – speziell die Arbeits- und Betriebspsychologie – in den 1970er Jahren das Wort Organisation wieder aufnahm, durfte man zunächst auf Rückbesinnung, auf einen begrifflichen Relaunch hoffen. Die damalige Situation war für eine solche Umkehr denkbar günstig: der heute 85jährige Fred Edward Fiedler stand auf dem Gipfel seines epochalen Forschungswerks über das Zusammenwirken in und von Gruppen. Ebenso spektakulär wie überzeugend hatte er gerade die rassistischen Vorstellungen von Führertum und Führung ad absurdum geführt und damit das Tor zu einer wissenschaftlich geprägten psychologisch-fachlichen Organisationslehre weit geöffnet. Wie wir heute, nach über 30 Jahren, wissen: die Chance wurde nicht genutzt. Die psychologische community vermochte sich nicht zu trennen von der Idee der Führerpersönlichkeit und den dazu von Max Weber angelegten Rastern der Herrschaft. Sehr wahrscheinlich war den Hochschulbediensteten auch das Hemd der lukrativen Personal- und Unternehmensberatung näher als der keinesfalls pflegeleichte wissenschaftliche Rock: Fiedler wird in der Lehre wenn überhaupt, dann allenfalls höflich erwähnt, inhaltlich aber nicht zur Kenntnis genommen.

In der Tat könnte man noch heute die grundlegenden Kenntnisse und Kunstgriffe der Organisation mit geringem Aufwand rekonstruieren. Dazu aber würde der wissenschaftliche Nachwuchs wohl zuerst eine neue Bezeichnung suchen müssen, da es kaum möglich sein wird, das ausgetretene und zerfaserte Begriffsbild Organisation zu restaurieren. Die Inhalte jedenfalls sind problemlos verfügbar.

Das Zusammenstellen und das Leiten einer Leistungseinheit wurden schon auf den Großbaustellen der Frühzeit eindrucksvoll erörtert und praktiziert. Der Bau etwa der vor 4500 Jahren errichteten Cheopspyramide erforderte das Zusammenwirken von Hunderten spezialisierter Leistungseinheiten im Steinbruch und Transport, in der Bearbeitung und im Einbau, in der Planung und im Messwesen. Sie alle waren über viele Jahre parallel oder sequenziell einzusetzen. Das dazu notwendige Organisationswissen muss also schonverfügbar gewesen sein. Und in der langen Bauzeit konnte sich konkrete Leitungserfahrung überdies zusätzlich verdichten. Es ist kaum zu erklären, warum so wenig von dieser Expertise geblieben ist und auf welche Weise die meist einfachen und plausiblen Regeln verloren gingen. So lösen beispielsweise die 7 pharaonischen Sätze heute unter Managern kontroverse Debatten aus:

- Eine Leistungseinheit umfasst höchstens 10 Personen.
- Eine Leistungseinheit wird von nur einer Person geleitet.
- Der Leiter der Leistungseinheit arbeitet stets selber mit.
- Ein Leiter wird nur von einem anderen Leiter vertreten.
- Leistung entsteht durch die Furcht vor Minderleistung.
- Der Leiter beurteilt nur die Leistung, nie den Menschen.
- Ein Priesterherrscher wird nur von einem Priester abgelöst.

Die Kunst der Organigrafie wurde ausschließlich öffentlich und für die Öffentlichkeit ausgeübt. In alter Zeit wurde das Organigramm deswegen in Stein gehauen, auf Tontafeln ausgestellt, in Portraitgalerien plakatiert. Die dargestellten Personen konnten sich und ihre Position darin wiedererkennen und darin auch von anderen erkannt werden. Die meisten heutigen organigrafischen Leistungen sind nur noch ein Schatten der Vergangenheit. Es gibt nur noch wenige Experten, die etwa mit Hilfe von Microsoft Office ein nachvollziehbares Organigramm gestalten können: jeder Betriebsangehörige mit Vor- und Nachnamen, mit Alter und Zugehörigkeitsjahren und mit seiner Funktion – und das alles in eindeutiger Über- und Unterstellung.

Ein tatsächliches Organigramm zeigt die aktuelle Zugehörigkeit der Personen zu ihrer Leistungseinheit, der Leistungseinheiten zur Betriebseinheit, der Betriebseinheiten zum Betrieb. Es dient nicht nur der motivierenden Information und Orientierung der Mitarbeiter, sondern gehört zu den eigentlich selbstverständlichen und grundlegenden Instrumenten der Aufsicht und Kontrolle über Betrieb und Unternehmen.

Das Regeln leistungsförderlicher Befugnisse gehört seit der Antike zu den ältesten Belegen des Herrschafts- und Verwaltungswissens. Durch viele Jahrhunderte hindurch feilte man immer weiter an der logischen Zuordnung der Entscheidungsgewalt: an den Basisbefugnissen, an den berichts- und den zustimmungspflichtigen Befugnissen und schließlich an der höchsten, jener Befugnis nämlich, dem obersten Herrscher einen Vorschlag unterbreiten zu dürfen. Man praktizierte als selbstverständlich, dass Vorgesetzten darüber zu berichten war, wenn man dem Untergebenen in einer Frage zugestimmt oder ihn zurückgewiesen hatte. Und ein gefürchtetes Malediktum riskierte, wer auf den Stufen seiner Befugnisse ins Stolpern geriet. Zweck der gegliederten Befugnisse war und ist es, die Willensbildung zwischen den Leitungsebenen transparent zu halten. Heute dagegen riskiert ein Malediktum, wer Befugnisbedarf auch nur erkennen lässt oder gar die geheimnisvollen Unterschriftsroutinen heutiger Großbetriebe ignoriert. Aber in keinem heutigen Lehrbuch findet man Hinweise darauf, wie denn ein modernes Befugnisregime aufzubauen wäre, das den Mitarbeitern Rechtssicherheit gewährt und der Leitung tatsächliches Leiten ermöglicht.

Das Identifizieren leistungsmindernder Einflüsse bewegte erweislich schon in der Antike die Herrscher und ihre gelehrten Berater. Alexander der Große etwa bestand darauf, dass der Einsturz einer Brücke, das Verfehlen des Marschzieles, Unglücksfälle oder Niederlagen präzise zu untersuchen seien, dass Vorkehrungen zu deren künftiger Vermeidung zu treffen und dass die Wirksamkeit solcher Vorkehrungen erst in Versuchen zu beweisen sei.

Das gleiche Thema hatte sich um 1900 aus guter Tradition auch wieder die Münsterberg’sche Betriebspsychologie vorgenommen. Immerhin wusste man seinerzeit noch, wie wichtig eine klare und überprüfbare Arbeitsablaufbeschreibung für eine Leistungseinheit ist und wie entscheidend die Verfügbarkeit ausreichender Arbeitsmittel. Man traute sich zu, Vorgaben aus diesem Wissen abzuleiten und Schnittstellen zu benennen. Nach nur hundert Jahren scheint dies in der Arbeits- und Betriebspsychologie bereits wieder vergessen zu sein. Stattdessen buchstabiert man „mobbing“ und „bossing“, mystifiziert Farbgebung und Innenraumbepflanzung und tritt in einen diffusen Wettbewerb zu den Frohbotschaften dilettierender Feng Shui -Missionare.

Alles in allem gälte es also heute nur, Bewährtes einfach nur wiederzuentdecken. Es gäbe Vieles zu ergänzen und noch weiter zu untersuchen. Allerdings besteht keine Hoffnung, dergleichen in Europa oder den USA unter der Überschrift ORGANISATION verwirklichen zu können. Das Wort scheint endgültig verbrannt zu sein. Trotz seines Untergangs als Fachwort wird es aber in der Umgangssprache noch lange verfügbar bleiben – als Etikett, als Dekoration, als Klingel- oder Füllwort und Manchem auch als Erinnerung an frühere Zeiten.

© Georg Sieber München

Die anderen Vorträge werden später in einem anderen Zusammenhang auf den Seiten der Sektion publiziert.

Reaktionen auf die Veranstaltung:

Sehr geehrter Herr Kollege Szabó,

für die Vortragseinladung und den überaus liebenswürdigen Empfang auf der Tagung in Königswinter möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bedanken. Es war für mich ein unvergleichliches Erlebnis, an dem die inhaltsreichen Gespräche mit Ihnen und anderen Mitgliedern der Sektion bedeutenden Anteil hatten.
Sie hatten beim Essen Interesse an einer Veröffentlichung meines Manuskripts bekundet. Da die Umarbeitung des Redetextes in ein veröffentlichungsfähiges Manuskript einigen Aufwand verursacht, möchte ich Sie um eine Bestätigung Ihrer Absicht bitten und um Angaben darüber, wo es publiziert werden soll und den Termin, zu dem Sie es benötigen. […]
 
Nochmals herzlichen Dank!
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Heiko Steffens

Sehr geehrter Herr Szabó und sehr geehrte MitarbeiterInnen,

ich möchte mich bedanken für die durchaus erfolgreiche Tagung und Ihren persönlichen Einsatz. Vielen Dank auch für die unkompliziert möglich gemachte Teilnahme meines Bekannten am Buffet. […]

Mich erstaunte die relativ geringe Teilnehmerzahl, im Zusammenhang mit einem doch großen Aufwand und Vortragsangebot. Was müsste passieren, um mehr Mitglieder anzusprechen?

Direkte inhaltliche Fragen habe ich am erfolgreichsten mit Teilnehmern klären können.
Die sehr offene und direkte Art im Miteinander hatte in dem kleinen Kreis beinahe einen familiären Eindruck auf mich gemacht. Erstaunt war ich hingegen über die eingesetzten Waffen, mit denen man sich versuchte zu schlagen, die doch jedem hinlänglich bekannt...

Wenn ich jetzt anmerke, mir mehr Freundlichkeit und weniger Selbstgefälligkeit zu wünschen, spreche ich in der dort herrschenden Musik. Also nehmen Sie es, wie Sie wünschen, ich meine es im Sinne gewaltfreier Kommunikation.

Weiterhin viel Erfolg bei der Auswertung und dem Bericht.
Mit freundlichen Grüßen
S. H.

Hallo Herr Szabó,

ich möchte Ihnen auf diesem Weg einmal sagen, dass ich Ihre Arbeit für die Sektion sehr hochschätze und finde, dass der T.d.F. eine sehr gute, anspruchsvolle Veranstaltung war. Ich freue mich daher auch dass Sie wiedergewählt worden sind.

Grüße
Armin Traute

Mitgliederversammlung der Sektion der Freiberuflichen Psychologen des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.

Im Rahmen der Tagung fand auch die Mitgliederversammlung der Sektion statt. Im nachfolgenden Vorstandsbericht referierte der Sektionsvorsitzende über die Aktivitäten und die berufspolitische Situation der Sektion.

Prof. Szabó, Hamburg:
Die Mitgliederversammlung hat über zwei Beschlüsse gefasst und auch den Vorstand und die Delegierten neu gewählt:


Protokoll Mitgliederversammlung
der Sektion der Freiberuflichen Psychologen des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.

Datum: 25.11.2007
Ort: Maritim Hotel Königswinter 
Anwesend: 26 wahlberechtigte Mitglieder, 2 Nicht-Mitglieder,
Vom Vorstand: Prof. Szabó, Dr. Bernds, Dr. Oetting
Vom Gesamtverband: Geschäftsführer Herr Traute

Tagesordnung:

1) Der Versammlungsleiter, Szabó, stellte fest, dass die Versammlung ordnungsgemäß und fristgerecht einberufen wurde. Diese Feststellung wurde einstimmig bestätigt.

2) Frau Dr. Bernds wurde einstimmig zur Protokollführerin gewählt.

3) Der Vorsitzende berichtete über die Arbeit des Vorstandes in der vergangener Periode (schriftlicher Vorstandsbericht wird beigefügt)
In der Diskussion des Berichtes wird vorgeschlagen, das Thema „Mediation“ in die Arbeit des Vorstandes aufzunehmen.

4) Frau Krinkel stellte den Antrag, für die Nutzung der Projektmittel des Jahres 2007 das Kontrahierungsverbot zwischen der Sektion und dem Vorstand aufzuheben. Dieser Beschluss ist erforderlich, um der Sektion den Zufluss der Projektmittel auch dann zu sichern, wenn die Projekte in Eigenregie durchgeführt werden.
Der Antrag wurde von der Mitgliederversammlung ohne Gegenstimme verabschiedet.

5) Der Vorstand stellte den angekündigten Antrag auf die Erhebung eines Sektionsbeitrages für die sog. Sekundärmitglieder. Dieser Sektionsbeitrag ist erforderlich, um die Verwaltung der Sektion und die Betreuung der Mitglieder zu sichern (für die Sekundärmitglieder bekommt die Sektion keine Mittelzuweisungen des Gesamtverbandes). Auf Vorschlag aus der Mitte der Versammlung wird ein monatlicher Sektionsbeitrag von 2,50 € vereinbart. Dieser Antrag wird bei einer Stimmenthaltung von der Mitgliederversammlung verabschiedet.

6) Vorstandswahl:
Die Leitung des Wahlverfahrens hat auf Vorschläge des Vorstandes der Geschäftsführer des BDP, Herr Traute, übernommen.

Ergebnisse:

  • Vorsitzender Szabó: 25 Ja, 1 Enthaltung
  • Beisitzer: Dr. Oetting: 22 Ja, 4 Enthaltungen
  • Beisitzer: Herr Spicker: 24 Ja, 2 Enthaltungen
  • Delegierte:
    Dr. Bernds: 26 Ja
    Dr. Oetting: 15 Ja
  • Ersatzdelegierte: 
    Herr Spicker: 23 Ja
    Frau Hoffmann: 24 Ja

Alle gewählten Kolleginnen und Kollegen haben die Wahl angenommen.
Ende der Mitgliederversammlung:  13.30 Uhr

Protokoll:
Dr. Esther Bernds

gez. Prof. Szabó

Vorstandsbericht November 2007

1. Mitgliederbestand der Sektion:
Die Sektion hat ca. 1.900 Mitglieder – davon sind 604 sog. Primärmitglieder, nach welchen die Mittelzuweisungen für die Sektion und die Anzahl der Delegiertenmandate errechnet werden.
Der Bestand ist im Wesentlichen stabil mit leichten positiven Tendenzen (0,7% Zuwachs).
Mitgliederverluste sind fast ausschließlich durch Verbandsaustritte begründet.

2. Mitgliederwerbung:
Die Sektion hat – im Zusammenhang mit dem Tag der Freiberufler – verschiedene Werbeaktivitäten entwickelt, u. a. alle Universitäten der Bundesrepublik angeschrieben mit einem eigens hierfür entwickelten Plakat für einen Aushang in den Fachschaften gesorgt. Diese Aktion wurde innerhalb von zwei Monaten einmal wiederholt.
Innerhalb der letzten zwei Monate wurden 3 neue Mitglieder für den Berufsverband und 4 für die Sektion angeworben. Dies geschah stets durch persönliche Telefongespräche.
Auch frühere Erfahrungen haben gezeigt, dass der persönliche Kontakt zu den Mandatsträgern für die Mitglieder oder Interessierte sehr wichtig ist und eine motivierende Wirkung hat.

3. Geschäftsstelle:
Der Sektionsvorstand hat die Geschäftsstelle der Sektion, die als Servicebetrieb organisiert war, zum 1. August aufgegeben und die Geschäftsführung an den Vorsitzenden übertragen.
Dies war hauptsächlich aus finanziellen Gründen, aber auch aus anderen Gründen, beschlossen worden. Die Sektion dankte der langjährigen Leiterin der Geschäftsstelle mit einem angemessenen Präsent. Wir meinten mit dieser Maßnahmeangesichts der finanziellen Situation im Gesamtverband Zeichen setzen zu müssen, zumal die jetzige Kommunikationstechnologie mit Webseiten und E-Mails eine ergonomische Verwaltungsarbeit ermöglicht.

4. Die Finanzlage der Sektion:
Die Finanzlage der Sektion bildet die Finanzlage des Verbandes ab: sie ist angespannt. Zur Zeit verfügen wir über eine Liquidität von ca. 3.000 EURO der allerdings darüber hinausgehende Verbindlichkeiten gegenüber stehen, weil der Tag der Freiberufler mit Verlust abschneiden wird (für eine Gewinnsituation wäre eine Teilnehmerzahl von ca. 150 erforderlich gewesen.
Die größten Kostenpositionen sind für die Sektion der bisherige Betrieb der Geschäftsstelle,
der Mitgliedsbetrag für den Bundesverband der Freien Berufe und die Buchhaltungskosten, die von der Bundesgeschäftsstelle in der Sektion in Rechnung gestellt werden.
Daher ist ein Beschluss für die Erhebung von Sektionszusatzbeiträgen zwingend erforderlich.
Eine gewisse Entspannung könnte auch dadurch erfolgen, dass ich meine Arbeitskosten, die ich für die Projektbearbeitung erstellen werde, der Sektion spende, so dass hier eine Einnahme für die Sektion entsteht.
Die Honorarforderungen der Fremdanbieter (die übrigens schon zweimal für die Sektion tätig waren) überstiegen bei weitem die zur Verfügung gestellten Projektmittel.
Die aktuelle Auswertung der laufenden Buchhaltung, die alle Einnahmen und Ausgaben erfasst, liegt vor und kann jederzeit eingesehen werden (Tischvorlage)

5. Mitgliederbetreuung:
Die persönliche Betreuung der Mitglieder erfolgt in der Regel durch persönliche Telefongespräche oder über E-Mail-Kontakte. Diese Betreuung funktioniert reibungslos, weil der Vorsitzende quasi immer erreichbar ist. Diese Gespräche führen immer wieder zu intensiven Kontakten und liefern auch wichtige Informationen von der Basis.
Die allgemeine Betreuung durch Informationen auf der Webseite muss noch verbessert werden – wir arbeiten daran.

6. Politische Arbeit:
Der Sektionsvorstand hat im laufenden Jahr vier Vorstandssitzungen und einige Telefonkonferenzen durchgeführt. Darüber hinaus wurden die üblichen DK Termine (Delegiertenkonferenzen) und zwei Präsidiumssitzungen wahrgenommen. Ferner hat der Sektionsvorstand an der Gremienarbeit des Berufsverbandes mitgewirkt.
In der verbandsinternen Politik haben wir folgende Zielsetzungen verfolgt:

  • Prüfung und Beeinflussung der Verbandsbeschlüsse, die freiberufliche Interessen berühren
  • Überwachung der Verbandspolitik in Hinblick auf die Konsequenzen für Freiberufler
  • Vermittlung die Identität des Freien Berufes in der Verbandspolitik
  • Überprüfung der Kompatibilität von Gesetzen und von der Rechtsprechung in Bezug auf die Interessen der Freiberufler
  • Initiativen in der Gesellschaftspolitik , z. B. Antrag auf Gründung einer Kommission für Familienpolitik
  • u. a. m.

7. Ausblick:
Nach Einschätzung des Vorstandes sind in den nächsten Jahren folgende Entwicklungen zu erwarten:

  • Eine massive Zunahme der freiberuflichen Tätigkeiten durch Auslagerung der Dienstleistungen der Öffentlichen Hand und durch Outsourcing vieler Bereiche in der gewerblichen Wirtschaft

Konsequenz:

  • In einigen Bereichen sind hiervon Tätigkeitsfelder für Psychologen betroffen. Hier gilt es, rechtzeitig eine vorbereitende, strategische Politik zu betreiben.
    Gleichzeitig ist allerdings eine europapolitische Entwicklung zu erwarten, deren Konsequenzen sich nur vermuten lassen:
  • Die Idee des Freien Berufes wird eigentlich – wenn überhaupt – nur noch in Deutschland aufrechterhalten. Hier ist eine Vereinheitlichung im negativen Sinne zu befürchten – also Abschaffung dieser – ohnehin nicht richtig griffigen – Definition.
  • In der freiberuflichen Tätigkeiten wird sich immer mehr eine Betrachtungsweise aus der gewerblichen Wirtschaft durchsetzen. In der Endkonsequenz könnte sich hier eine stark erfolgsorientierte Bewertung und Honorierung der beruflichen Leistung durchsetzen.
  • Die steuerliche Begünstigung der Freien Berufe dürfte wegfallen und somit könnte auch die Gewerbesteuer erneut ein Thema werden.
  • Eine haftungsrechtliche Absicherung der eigenen Tätigkeit wird also immer mehr notwendig sein.
  • Die deutsche Kammerregelung ist in den europäischen Kommissionen schon mehrfach kritisiert worden. Auch hier dürfte eine Änderung durch das europäische Recht zu erwarten sein.
  • u.a.m.

All dies bedeutet, dass wir eine starke Vertretung der freiberuflichen Interessen im Berufsverband, aber auch über die Grenzen des Berufsverbandes hinaus benötigen.
Aus diesem Grunde plant auch der Sektionsvorstand ein Netzwerk der freiberuflichen Interessen in Europa zu installieren. Durch unsere Initiative könnte die deutsche Federführung in den notwendigen Aktivitäten sichergestellt werden.