Tätigkeitsbericht 2005

Freiberufler

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Strukturreform des BDP hat nun zu einschneidenden Änderungen – auch in Bezug auf die Existenz der Sektion – geführt. Es ist erkennbar, dass es die Sektion in der Form der früheren Jahren nicht mehr geben wird. Vielleicht haben wir selbst den Fehler gemacht, dass wir die Sektionsleistungen nicht genug herausgestellt haben. Wie auch immer - als Vorsitzender der letzten Amtszeiten sehe ich mich veranlasst, Ihnen eine zusammenfassende Übersicht über die Hauptaktivitäten in diesen Amtszeiten zu geben.


Politische Aktivitäten mit konkreten politischen Zielen:

Mitgestaltung des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes mit mehreren Verhandlungen im Bundeswirtschaftsministerium (Bieberstein, Referatsleiter für Freie Berufe) und Bundesjustizministerium (Dr. Seibert).
Aufnahme der Diplom-Psychologen in das Gesetz – mit den Formulierungen der Sektion (!) erfolgreich durchgesetzt (Alleingang der Sektion).

Initiative bei dem Bundesfinanzministerium für die Befreiung der heilkundlich tätigen Diplom-Psychologen (damals noch in Kostenerstattungsverfahren auf der Basis der Zulassung zur Heilkunde) von der Umsatzsteuer. Diese in Kooperation mit dem damaligen Geschäftsführer des BDP durchgeführte Aktivität war erfolgreich.

Eine weitere Initiative auf die steuerrechtliche Festlegung des Psychologenberufs als Freier Beruf unter Hinweis auf eine Kompatibilität der verschiedenen Gesetze und Rechtsvorschriften bei dem damaligen Bundesjustizminister, Prof. Schmidt-Jortzik,war weniger erfolgreich…(Wir haben darauf hingewiesen, dass wir im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz eindeutig als Freier Beruf definiert sind). Wir sind allerdings dabei, hier auf einem anderen Wege einen neuen Vorstoß zu unternehmen.

Vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung des Psychotherapeutengesetzes: Verhandlungen im Bundesgesundheitsministerium, mehrere Gespräche mit den führenden Beamten des Bundesgesundheitsministeriums (Prof. Dr. Steinbach, Frau Schleicher, Herrn Wanner), Verhandlungen mit politischen Gremien wie mit dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses (Herrn D. Thomae), dem Vorsitzenden des Vermittlungsausschusses (Herrn Koschnick, Bremen, Bürgermeister a.D.), Veranstaltung von parlamentarischen Abenden mit hochrangigen politischen Vertretern.

Sonderveranstaltung im Rahmen des Tages der Freiberufler zu den Übergangsbestimmungen des Psychotherapeutengesetzes mit den führenden Rechtsexperten auf diesem Gebiet, wie Prof. Dr. Gitter und Prof. Dr. Krasney.

Verhandlungen mit den Berufsgenossenschaften für Gesundheit und Wohlfahrtspflege und der Verwaltungsberufsgenossenschaft zur Einstufung von den freiberuflich tätigen Psychologen.


Studien, Gutachten, Untersuchungen und Stellungnahmen:

- Sektionsbefragungen zur beruflichen und wirtschaftlichen Situation der freiberuflich tätigen Diplom-Psychologen (durch das Institut für Freie Berufe in Nürnberg zwei Untersuchungen durchgeführt)

- Gutachten zu der steuerlichen Situation der Diplom-Psychologen (erstellt durch einen renommierten Sachverständigen, Herrn Geist, damals Präsidiumsmitglied des BFB), später Verhandlungen zum gleichen Thema mit dem Nachfolger von Herrn Geist im BFB, Herrn Möckershoff)

- Gutachten zur Gleichstellung der Diplom-Psychologen mit den anderen Freien Berufen (erstellt durch Prof. Dr. Herrmann, Institut für Freie Berufe in Nürnberg, unter dem Titel “Freiberufsrecht psychologischer Gutachter und Berater“ – das Gutachten wird zum Jahresende veröffentlicht)

- Politische Gedenkschrift anlässlich der Verabschiedung von Herrn Bieberstein aus dem aktiven Staatsdienst

- Vortrag des Sektionsvorsitzenden auf einer Veranstaltung des Instituts für Freie Berufe in Nürnberg über die "Zukunftsperspektiven der psychosozialen Berufe" (dieser Vortrag ist durch das Institut veröffentlicht worden und wird bis heute oft zitiert).

- Vertretung des Berufsverbandes im Bundesverband der Freien Berufe – Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen (Mitgliederversammlungen, Kommissionssitzungen u.a.m.) im In- und Auslang

Beteiligung der Sektion durch sachverständige Stellungnahmen an diversen Fremduntersuchungen und Gutachten.

Information der Sektionsmitglieder durch sektionsinterne Broschüren:

- Umgang mit dem Kostenerstattungsverfahren
- Umgang mit der steuerlichen Veranlagung (als freier Beruf)
- Strategische Vorbereitung auf das Psychotherapeutengesetz
- "Day after" Strategie (Umgang mit den Übergangsbestimmungen)
- Informationen zur Vermögensbildung und Altersvorsorge

Die Sektion hat bereits 1985 (!) in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, dass man seine Unterlagen und seine Dokumentation für den Fall eines Gesetzgebungsverfahrens (Psychotherapeutengesetz) ordnen und vorbereiten sollte!

Diejenigen, die diesen Hinweis beachtet haben, haben bei ihren Anträgen zur Approbation im Rahmen der Übergangsbestimmungen zum Psychotherapeutengesetz auf jeden Fall klare Vorteile gehabt.

Betreuung der Sektionsmitglieder:

Die Anfragen betreffen im wesentlichen folgende Bereiche:

- Existenzgründung
- Kauf und Verkauf von Praxen
- Honorarfragen
- Steuerliche Einstufung (Abgrenzungsfragen)
- u.a.m.


Die Sektionsleitung hat in ca. 10 Fällen Sektionsmitglieder und deren Steuerberater bei Auseinandersetzungen mit den Finanzbehörden und Finanzgerichten beratend beleitet. Stets ging es dabei um die Veranlagung zur Gewerbesteuer – in einem Fall sogar bei einem eindeutig nur heilkundlich tätigen Kollegen! Einige Verfahren sind noch in der Schwebephase, in einigen Fällen konnten wir zu einem erfolgreichen Vorgehen führen.

Immer wieder Informationsveranstaltungen zu Vermögensbildung und Altersvorsorge mit z.T. renommierten Referenten wie RA Feldhusen, Düsseldorf, und mit dem Vorsitzenden des Berufsverbandes Rentenberater, Herrn Ponzelet.


Öffentlichkeitsarbeit/PR-Aktivitäten:

- Der Tag der Freiberufler war von Anfang an dafür konzipiert, eine Plattform für Kontakte mit Personen des Öffentlichen Lebens zu schaffen. Die Namen der Referenten stellt eine illustre Liste dar: Dr. Maximilian Schubert (†), die Fernsehmoderatoren Armin Halle und Andreas Lukoschik, der Präsident des BFB, Volfrad Deneke, die Psychologen Prof. Dr. Haseloff (†), Prof. Dr. Schubenz, Prof. Dr. Brengelmann, Prof. Dr. Haase, Wirtschaftsmanager wie den Vermögensverwalter Graf Matuschka, der ehemalige Vorstandsvorsitzende eines Versicherungskonzerns und Psychologe, M. Schreiber, Ministerialbeamte wie Prof. Dr. M. Steinbach, Bieberstein, Dr. Seibert u.a.m.

Die Reihe ist sicher nicht vollständig.

Wir haben manche rauschende Feste gefeiert und dabei viele Kontakte geknüpft. Erwähnt seien auch unsere künstlerischen Begleiter, wie die immer wieder gefeierte Frauenband „Madämchen“ (auch bei dem diesjährigen Tag der Freiberufler dabei!) oder der auch international bekannte Pete „Wyoming“ Bender mit seiner Band in Berlin.

Die Teilnehmerzahl war immer schwankend – in der Spitze haben wir 250 Teilnehmer gehabt (bei dem Thema zu Übergangsbestimmungen mit Prof. Dr. Gitter und Prof. Dr. Krasney).

Der Tag der Freiberufler leidet nun unter der Inflation von Psychologenveranstaltungen und diversen anderen „Tagen der …“. Besonders belastend ist aber die – neuerdings steuerrechtlich erforderliche – Gewinnerzielungsabsicht. Dennoch haben wir einen Weg gefunden, auch dieses Jahr für unsere Mitglieder sehr günstige Konditionen zu schaffen (ohne Teilnahmegebühr!), allerdings mussten wir für alle anderen Teilnehmer die Preise deutlich erhöhen.

- Als einzige Untergliederung des BDP haben wir in der „heißen“ politischen Phase (Vorarbeiten für das Psychotherapeutengesetz) einen eigenen professionellen Lobbyisten engagiert und seine Aktivitäten auch dem Gesamtverband zugute kommen lassen. Der ehemalige Geschäftsführer des BFB, D. Rollman, galt damals in Bonn als der führende Lobbyist und war in allen politischen Gremien bekannt. Er hat uns bei wichtigen politischen Aktivitäten beratend und aktiv begleitet, und zudem auch erreicht, dass zwei renommierte Mitglieder der Sektion, die ehemalige Vorsitzende der Sektion, Frau Bieling und das ehemalige Vorstandsmitglied der Sektion, Frau Hanten, mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet wurden.
Die Curt Bondy-Gedächtnismedaille haben wir für Verdiens-e um die praktische Psychologie konzipiert und an den Fernsehmoderator Prieß für die erfolgreichste – fachpsychologisch moderierte – Fernsehreihe (im NDR) verliehen.


Fachpsychologische Fortbildungen

- REM
- Legasthenikertherapie
- Selbsterfahrung
- Sexualtherapie
- Psychotherapeutisches Reiten
- NLP
- Projektmanagement
- Einsatz von EDV in der psychologischen Praxis
- u.a.m.


Verbandsinterne Aktivitäten:

Wir haben uns bemüht, uns so wenig wie möglich mit der Selbstverwaltung des Verbandes zu befassen, dennoch haben wir immer wieder gebetsmühlenartig die Interessen der Freiberufler betont. Leider konnten wir nicht immer diese Interessen durchsetzen.

Dennoch: zusammenfassend können wir feststellen, dass es uns Freiberuflern vergleichsweise gut geht. Jedenfalls trifft diese Aussage auf Kolleginnen und Kollegen zu, die ihre Freiberuflichkeit professionell und also auch in der Vollzeit betreiben. Unsere Sektionsbefragung belegt, dass die finanzielle Situation der Freiberuflichen Psychologen sogar günstiger ist als die von einigen etablierten Freien Berufen. Sicher brauchten die Psychotherapeuten in der Kassenabrechnung eine Anpassung ihrer Gebühren, aber für dieses Anliegen hat unsere Sektion nicht mehr die Federführung.

In seinem Gutachten hat Herr Prof. Herrmann festgestellt, dass  „das Verbandsrecht des BDP hervorragend geeignet (ist), die Professionalisierung seiner Mitglieder zu fördern...“ und hat die Berufspolitik des BDP im Vergleich mit der Politik der anderen Freien Berufe als vorbildlich bezeichnet.

An diesem Erfolg hat unsere Sektion einen wesentlichen Anteil gehabt. Diese Feststellung sei erlaubt, nachdem wir in der Vergangenheit unsere Verdienste eher zurückhaltend dargestellt haben.


Attila Szabó